Inhalt

Besetzung & Stab

Impressum

Schubert und ICH

Regie Bruno Moll

 
Die Lieder von Franz Schubert. Was sagen sie uns heute noch? Und wo gehören sie eigentlich hin? Wenn es nach dem Pianisten und Dirigenten Marino Formenti geht: nicht in die Konzerthäuser dieser Welt. Zumindest nicht nur. Vielmehr will Formenti die Musik ins Leben zurückholen und die Lieder jenen zurückgeben, für die sie von Schubert gedacht waren. Begleitet hat ihn bei diesem Experiment der Schweizer Dokumentarfilmer Bruno Moll.
Schubert und ICH: Mit fünf musikalischen Laien, Wiener und Wienerinnen unterschiedlichster Herkunft, studiert Formenti im privaten, intimen Rahmen verschiedene Lieder von Franz Schubert ein. Die Begegnung dieser Menschen mit dem Universum Schuberts ist zentrales Thema dieses Films: Er dokumentiert den musikalischen Prozess, die mühevolle Annäherung ebenso wie Momente des Ankommens. Marino Formenti zeigt, dass in jedem ein gesangliches Potential schlummert, dessen er sich selbst gar nicht bewusst ist. Darüber hinaus fokussiert Schubert und ICH aber auch Formentis Begegnungen mit den Protagonisten und Protagonistinnen in ihrem Alltag und gewährt Einblicke in ihre Lebensgeschichten.
 
Franz Schubert, Urvater des Wiener Kunstliedes, hat mit seinen Liedern ein einzigartiges wie intimes, hoch-privates Tagebuch für eine Stimme und ein Klavier erschaffen. Sie zielen nicht primär auf Virtuosität, sondern direkt auf das Existenzielle. Marino Formenti gibt mit Schubert und ICH den Liedern etwas von jener Dringlichkeit zurück, aus der sie einst entstanden sind. Er meint dazu: „Was in dieser Arbeit glücklicherweise in den Vordergrund trat: Das Frischere, Frechere, Freiere, Ungehobelte, Laienhafte, Unfertige, mit einem Wort – nicht das, was Schubert mit uns macht, sondern das, was wir mit ihm machen. Machen wollen und machen können. Und nicht machen können.“
 

Besetzung

Marino Formenti
Johann Hauf
Vedran Nedelkovski
Heinz Rögl
Ahmed Yousif
Julia Zdarsky

Stab

  • REGIE
  • KONZEPT
  • SCHNITT
    Manfred Zazzi
  • SOUND
    Heinz K. Ebner
  • MUSIK
    Franz Schubert
  • PRODUKTIONSLEITUNG
    Peter Janecek
  • PRODUZENT/INNEN
    Mathias Forberg, Viktoria Salcher, Christof Neracher
  • CASTING
    Nina Kreuzinger
  • DREHORT
    Österreich
  • PRODUKTION
    Prisma Film- und Fernsehproduktion GmbH
  • KOPRODUKTION
    Hugofilm Productions GmbH
  • VERLEIH
    Stadtkino Filmverleih

Förderungen & Sponsoren

ORF Film/Fernseh-Abkommen
Filmstandort Austria
Filmfonds Wien
Bundesministerium für Kunst und Kultur
Bundesamt für Kultur Schweiz
Berner Filmförderung
 

Bruno Moll

Der Schweizer Dokumentarfilmer Bruno Moll (geboren 1948) absolvierte nach Abschluss der Primarschulen eine Berufsausbildung zum Maschinenzeichner. Nach der Ausbildung zum Fotografen (1972-74) ist Moll seit 1975 als freier Fotograf, Fotojournalist und Kameraassistent tätig und seit 1978 als freischaffender Autor und Regisseur. Für seine über fünfzig unabhängigen Filme für Kino und Fernsehen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Berner Filmpreis 2010 und den Zürcher Filmpreis 2010 für seinen Kinodokumentarfilm ‚Pizza Bethlehem’.

Filmografie (Auswahl)

2013
2012
2009
2007
2007
2005
2004
1998
1995
1990-93
1992
1988
1985
1982
1980
1978

zurück
TAKE OFF. Kinodokumentarfilm
ALPSEGEN. Kinodokumentarfilm
PIZZA BETHLEHEM. Kinodokumentarfilm
ZU FUSS NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA. Kinodokumentarfilm
DIE TUNISREISE. Kinodokumentarfilm
ERINNERN. Filmessay
WER KEINEN PASS HAT, IST EIN HUND – BERTOLT BRECHT UND DIE     SCHWEIZ. Dokumentarfilm
BRAIN CONCERT. Dokumentaressay
MEKONG. Spielfilm
DIE BÖSEN BUBEN. Dokumentarfilm
GENTE DI MARE. Dokumentarfilm
DER SCHUH DES PATRIARCHEN. Dokfiktion
HAMMER. Spielfilm
DAS GANZE LEBEN. Dokfiktion
SAMBA LENTO. Dokumentarfilm
GOTTLIEBS HEIMAT – Skizzen einer Auswanderung. Dokumentarfilm

Biografie

Marino Formenti

Der in Wien lebende italienische Pianist und Komponist Marino Formenti (geboren 1965) zählt mit seiner außergewöhnlichen Kombination von Intellekt und Emotionalität zu den interessantesten Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Von der Los Angeles Times als ‚Glenn Gould for the 21st Century’ gepriesen, hat sich Formenti im Bereich der zeitgenössischen Musik einen Namen gemacht, wie auch mit seiner Suche nach einer Verbindung von Alt und Neu.
Formentis Vorliebe für neue, unerwartete Zusammenhänge schlägt sich in unterschiedlichen Projekten nieder, die häufig mit der Konzertform experimentieren und die Grenzen des Konzertbetriebes von innen heraus ausloten:

In ,Nowhere‘ spielt, schläft und isst Marino Formenti im öffentlichen Raum, rund um die Uhr von der Kamera beobachtet, „um die Grenzen zwischen privat und öffentlich zu sprengen und um die Musik in die Stadt und die Stadt in die Musik zu bringen.“
Das dramaturgische Gesamtkonzept der Party entstand aus der Notwendigkeit heraus, Musik in einem „neugeladenen“ Kontext zu präsentieren. Die sich über mehrere Stunden erstreckende Performance enthält Momente der Sozialisierung, und lässt Freiraum für den Dialog zwischen Künstler und Publikum sowie mit anderen Kunstrichtungen. „Es ist ein weiterer Versuch, die Musik aus der ‚Klemme‘ zwischen Büroalltag und letzter U-Bahn zu befreien“, erklärt Formenti.
In ,Kurtágs Ghosts‘ und ,Liszt Inspections‘ strömen Werke aus verschiedenen Jahrhunderten zu einem in sich geschlossenen Konzertfluss ineinander, eine neue Form, der von der Kritik mit der sprachlichen Prosa von James Joyce verglichen wurde.
In ,The Song Project‘, 2010 im New Yorker Poisson Rouge uraufgeführt, zeigt Formenti „uneheliche Verwandtschaften“, in dem er Poplieder von Nirvana und Coldplay im Dialog mit Werken etwa von Bernhard Lang und Luciano Berio setzt.
In Rodrigo Garcias Theaterstück ,Gólgota Picnic‘ sitzt Formenti nackt, spielt „seelenruhig“ Haydns ‚Sieben letzte Worte’, das „als Werk der Stille“ Garcías dämonisches Szenario in seiner wahrhaften Dimension erfasst. „Man ist richtig ausgesetzt“, beschreibt Formenti das Nacktspielen. „Eine Hingabe und ein Entblößen vor der Kunst, das sich während der Probenarbeiten peu à peu so ergab. Die Schauspieler verloren alle ihre Kleider, irgendwann auch ich.“

Mit genauso großer Begeisterung geht allerdings Formenti auch gewohnter Verpflichtungen nach, wie 2011 mit dem New York Philharmonics als Solist im Ligetis Klavierkonzert, oder als Dirigent mit einem Beethoven-Dvorak-Programm im Berliner Konzerthaus.

„Ebenso kühn und geistreich wie seine Interpretation klassischer und zeitgenössischer Musik ist seine Kunst, musikalisch-poetische Programme von subversiver Emotionalität und funkensprühender Inspiration dialektisch zusammenzustellen: Er lässt dabei die Musikstücke aufeinander hören und wird so selbst zum Komponisten. Er nimmt ihnen nie ihr Geheimnis, setzt ihnen aber auch keines auf. Er bestaunt sie so lange, bis sie anfangen, Dinge zu offenbaren, die man bisher nicht von ihnen erwartet hätte. Alles scheint wie immer, und doch ist alles ganz anders.“ (Aus der Belmont-Preis-Begründung 2009).

Konzerteinladungen führten ihn zu den Salzburger Festspielen, zu den Festivals in Luzern, Edinburgh, Schleswig-Holstein, Aspen und Ravinia, sowie in die großen Konzerthäuser von Berlin, Wien, Paris, London, Zürich, Moskau, New York, Los Angeles, Tokio. 2004 debütierte er im Lincoln Center in New York mit dem Recital-Zyklus ‚Piano Trips’ in der ‚Great Performers Series’. Ähnlich themenbezogene Zyklen präsentierte er in Wien, Los Angeles und San Francisco, und 2013 als Artist in Residence in der Wigmore Hall London.

Als Solist konzertierte Marino Formenti mit den New York Philharmonics, den Münchner Philharmonikern, den Los Angeles Philharmonics, dem Gustav Mahler Chamber Orchestra, und mit Dirigenten wie Franz Welser-Möst, Kent Nagano, Esa Pekka Salonen, Gustavo Dudamel, Daniel Harding. Er arbeitete außerdem mit Künstlerkollegen wie Gidon Kremer, Ulrich Matthes und Maurizio Pollini zusammen.

In seiner Laufbahn als Dirigent war Marino Formenti zunächst Assistent von Kent Nagano. Selbst am Pult stand er im Teatro alla Scala, im Wiener Musikverein und im Wiener Konzerthaus, im Berliner Konzerthaus, in Paris, Rom, Mailand, Los Angeles, Tokio. 2008 debütierte er in der Accademia di Santa Cecilia in Rom auf Einladung Maurizio Pollinis, mit dem er 2009 in der Mailänder Scala und in der Pariser Salle Pleyel wieder auf der Bühne stand. Er leitete die österreichische Erstaufführung von Kurt Weills Oper ‚Der Protagonist’ und der Kammerfassung von Prokofievs ‚Engel aus Feuer’ in einer umjubelten Produktion.

Bei Publikum und Presse für sein „ekstatisches Spiel“ und die „traumwandlerische Hingabe“ gefeiert, konstatierte die Los Angeles Times anlässlich eines Konzertzyklus im LACMA über Marino Formenti: „… mesmeric, shamanistic, unforgettable… he is in short a phenomenon.“ L.A. Weekly berichtete über einen “state of exhilaration beyond any experience”. Der österreichische Standard: „Grandios… ungemein eindringlich… fulminant.“

Marino Formenti arbeitet mit einigen der größten lebenden Komponisten zusammen, unter ihnen Helmut Lachenmann, György Kurtág, Salvatore Sciarrino.
Er ist Träger des Belmont-Preises 2009 für zeitgenössische Musik der Forberg-Schneider-Stiftung.

www.marinoformenti.com

 
zurück

Christian Haake

Christian Haake, geboren 1977 in Dorsten, begann im Alter von 13 Jahren erste Bilder mit der Videokamera zu machen. Während seiner autodidaktischen Ausbildung im Bürgerfernsehen Offener Kanal Marl führte er Bildregie bei Livesendungen mit bis zu fünf Kameras. Er sammelte Erfahrung mit allen gängigen Videoformaten. 2000 bis 2007 absolvierte er an der Filmakademie Wien ein Kamerastudium bei Christian Berger und ist seither als freier Kameramann tätig. Für den Kurzfilm ‚Grauzone’ von Karl Bretscheider wurde er 2004 mit dem zweiten Platz im Bereich „Best Student Cinematography“ beim Palm Springs International Festival Of Short Films ausgezeichnet.

Filmografie (Auswahl)

2007
2008
2010
2011/2012
2012

zurück
INSIDE AMERICA. Spielfilm (Regie: Barbara Eder)
HALBZEIT. Musikdoku (Regie: Christina Zurbrügg, Michael Hudecek)
SEELENFLECKEN. Lanzeitdoku (Regie: Karl Bretschneider)
PIRATENFUNK FRANZ FERDINAND (Regie: Irfan Rehmann)
BALKAN EXPRESS (Regie: Fritz Ofner)

 

Pressebetreuung           

vielseitig ||| kommunikation    
Valerie Besl            
t: +43 1 522 4459 10            
m: +43 664 8339266        
valerie.besl@vielseitig.co.at    
www.vielseitig.co.at

Verleih

Stadtkino Filmverleih und
Kinobetriebsgesellschaft m.b.H
Claus Philipp
Spittelberggasse 3/3, 1070 Wien
t: +43 1 522 48-14
claus.philipp@stadtkinowien.at
www.stadtkinowien.at

Kontakt

Prisma Film- und
Fernsehproduktion GmbH

Rathausstraße 3/18
1010 Wien
Tel.: +43 (1) 406 37 70
Fax: +43 (1) 406 37 70 20
E-Mail:
 
 
Film erhältlich als Download bei
Flimmit

Jetzt auch auf DVD bei
Hoanzl
Weitere Infos auf
Prismafilm

Ahmed Yousif

24, Rapper, Wien

„Im Großen und Ganzen war es für mich in erster Linie eine musikalische Erfahrung, die ich gemacht hab. Ein bisschen über Schubert hab ich auch dazu gelernt. Ich hatte keine Erwartungen. Dann, während der Arbeit, habe ich die Bedeutung des Gesangs und des Klangs besser verstanden. Und ich habe gelernt, wie man besser singen kann.“

Vedran Nedelkovski

27, Biophysiker, Wien

„Kunst ist für mich relevant um die Physik besser zu verstehen, und Physik ist für mich wichtig um die Kunst besser zu verstehen.“

Julia Zdarsky

47, Visualistin, Pionierin visueller Kultur, Mitbegründerin von poool, equaleyes und vvmh

„Um ehrlich zu sein – das Projekt scheint mir haarscharf an einer Bildungsbürgerschnulze vorbei zu rutschen. Ich empfinde einen totalen Zwiespalt, einen Wiederspruch. Da kommt man auf ein Projekt, in dem viel Geld ausgegeben wird für die Pflege alter Meister die schon lange verstorben sind. Anstatt sich mit unserer Generation auseinanderzusetzen. Die heutigen Künstler hungern zu Lebzeiten genauso wie es Schubert zu Lebzeiten getan hat und wenn sie dann auch 150 Jahre tot sind, erst dann wird Geld investiert, um ihnen wieder eine Bühne zu geben – absurd.“

Heinz Rögl

60, Musikjournalist, Wien

„Zunächst war ich verwundert, dass ich gefragt worden bin, weil ich eigentlich nur Geige spiele. In Folge stellte ich dann fest was passiert, wenn man selber versucht zu singen, was dann mit einem passiert und wie sich das Stück für einen selber verändert. Es war wunderbar mal zu singen, nicht als professioneller Kunstsänger, sondern physisch als Gesangs-Laie selbst daran beteiligt zu sein. Es tat gut, den Kosmos der drei Lieder, die ich gesungen habe, auf diese Weise zu ergründen und die Perspektive vom Hörer zum Sänger zu wechseln. Es hat mich bereichert!“

Johann Hauf

71, Ökonom, Wien

„Die wollen immer wissenschaftlich sein – ich habe bei diesem Projekt vor allem die anregenden Kontakte geschätzt. Allesamt sehr interessante und sehr nette Menschen. Es wäre doch waghalsig von mir, etwas Fachliches über Schubert zu erfahren. Mir hat einfach die Atmosphäre sehr zugesagt – es war schön, sich mit dem Thema zu beschäftigen und mit allen zusammen daran zu arbeiten.“

Marino Formenti

„Die Idee ist, Schubert wieder zu seinen Wurzeln zu führen, indem wir mit einfachen, aber ausgesuchten Menschen jeglichen Alters von der Straße, die keine Musiker sind, arbeiten. Auch Schubert hatte ja bei seinen Uraufführungen oft keine professionellen Sänger.
Wir machen dafür ein Casting und schauen zum Beispiel darauf, dass die Menschen sich auch durch Singen ausdrücken können und diese Abgründe fühlen können – nicht ‚everybody can sing’. Ich finde es ganz wichtig, dass wir die Kunst wieder ins Leben zurückholen.
Beethoven hat einmal gesagt: ‚Musik verändert die Welt.’ Ich weiß nicht, aber vielleicht kann man mit diesem Projekt ein wenig in jedem Einzelnen etwas bewegen.“
Konzerthaus Magazin

„Ich möchte die Grenzen zwischen dem Erhabenen der Kunst und dem einfachen Leben erforschen.“
Falter

„Das Erhabene – im Gegensatz zum Salbungsvollen – liegt oft in den ganz kleinen Dingen. Morton Feldman sagt auch: ‚Don’t push the sounds around.’ Damit verweigert er die große Geste des Komponisten. Die Wurzel der Erhabenheit könnte in dieser Einfachheit stecken.“ Falter

„Ich möchte wissen, welche Form das Staunen über ein Werk, das Staunen über Musik überhaupt annimmt, wenn man das Werk, die Musik noch und noch und noch einmal spielt, sie zu seinem Leben macht, jenseits des eigenen privaten Vergnügens.“
Salzburger Nachrichten, über das Projekt ‚Nowhere’